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Fri.
02.
Aug.
2019

zeitklang im museum

Konzert des Wiener Concertvereins

 

 

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1, 6900 Bregenz
August, 02.08.2019, 19:30 Uhr

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Über meine Musik


„Beim Komponieren interessiert mich der Entstehungsprozeß eines Werkes am meisten: die vielfältigen Möglichkeiten, eine musikalische Vorstellung zu einem längeren klingenden Sinnzusammenhang auszuarbeiten. Dementsprechend versuche ich, die Entwicklungsgänge meiner Stücke jeweils anders zu gestalten und ihnen so eine spezifische Charakteristik zu geben.“

Das schrieb ich 1994 als Beitrag zu einer Umfrage unter Komponisten. Heute, 5 Jahre danach, gilt dieses Statement nach wie vor ( - nicht zuletzt, weil es ja sehr allgemein gehalten ist!). Das Moment der Spezifischen Charakteristik allerdings scheint mir im Rückblick das Entscheidende zu sein - die Arbeiten der letzten 5 Jahre zeigen einen verstärkten Hang zum formal lockeren und eher fantasie- oder stimmungsbetonten Komponieren: Die technische Dimension - das „Material“ - ist verstärkt in den Dienst des Ausdrucks getreten.

Technik

Beherrschten anfangs die Kategorien Form - siehe oben - und Rhythmus (als eine Art Mikro-Form) mein musikalisches Denken, so sind es in in der letzten Zeit eher Klangfarbe und die Suche nach Möglichkeiten im Bereich der nichttemperierten Tonhöhen (und die Beziehung zwischen diesen beiden Kategorien), die mich beschäftigen.

Dabei interessieren mich einfache Möglichkeiten sehr viel mehr als utopische Anforderungen an das Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer und vor allem der Interpreten. Wenn man beispielsweise gleiche Schlaginstrumente (Tom-Toms, Woodblocks) verschiedener Größe als Set spielen lässt, entsteht auf einfache Weise eine Differenzierung nach (nicht-temperierten) Tonlagen, so geschehen in Karge Landschaft (1998). Auf Streichinstrumenten ist es relativ einfach, beispielsweise eine kleine Terz in 4 annähernd gleiche Teile zu unterteilen, Vierteltöne oder glissandi zu spielen oder hohe flageolets zu erzeugen. Diese Möglichkeiten habe ich etwa in Sphärenklänge (1996) oder dem 2. Streichquartett (1997) erprobt.

Daß diese Verfahrensweisen von in Neuer Musik versierten Interpreten eher leicht auszuführen sind, ist für mich wichtig: Es soll dem Musiker ermöglichen, Ausdruck (Stimmung, Empfindung) in die Musik zu legen, anstatt einer Partitur gegenüber zu stehen, die ihm Angst macht und/oder deren Ausführung weder vom Komponisten, noch vom Interpreten, noch vom Publikum nachvollzogen werden kann.

Wie oben bemerkt, ist auch die Kategorie „Klangfarbe“ stärker in mein Bewußtsein getreten als früher. Das ist zu einem großen Teil ein Effekt der Gelegenheiten, die sich mir boten: Ich konnte mehrere Stücke für große Ensembles schreiben und dabei beispielsweise die Wirkung von ungewöhnlichen Instrumentalkombinationen (Versuch über Hanns Eisler,1998), Auffächerung eines Registers (Oxen of the sun, 1996), oder neue Spielweisen von Einzelinstrumenten (Multiphonics, gleichzeitiges Singen und Spielen in Fantasie [1997] für Ensemble) erproben.

In meinem neuesten Werk, Pan für Oboe solo (1999) spielen die Multiphonics eine bedeutende Rolle und eröffnen für mich vielleicht Perspektiven über den Zusammenhang von Klangfarbe und (nicht-temperierten) Tonhöhen.

Inhalt

Nach diesem Exkurs zurück zum Beginn: Ich glaube, daß ich mit den neueren Stücken gelernt habe, Technik nicht nur zu erforschen, sondern in den Dienst des Ausdrucks zu stellen. Ich habe auch immer mehr begonnen, Wahrnehmungen oder Stimmungen als Auslöser für Kompositionen zuzulassen (die Fantasie ist ein Beispiel für eine Art Nacherzählung von solchen Wahrnehmungen oder Stimmungen, auch Karge Landschaft). Pan erzählt eine imaginäre Geschichte, wobei es mir weniger wichtig ist, dem Hörer den Inhalt verbal mitzuteilen, sondern einen Faden deutlich zu machen. Es gibt in meinen Arbeiten aber nicht nur Entwicklungen und Neuerungen, sondern auch eine Kontinuität: Homers Odyssee. Nach Penelope (1992) folgten Kirke (1995) und Oxen of the Sun (1996), und ich glaube, daß ich mich wieder mit diesem Thema beschäftigen werde. Bestenfalls ist die Odyssee ein Sinnbild für meine eigene Reise zu den verschiedenen Möglichkeiten und Zugängen zum Komponieren - mehrmaliger Schiffbruch inklusive!

Ausblick möchte ich an dieser Stelle keinen geben. 1995 sagte ich in einem Interview, die Musik im sehr leisen dynamischen Bereich würde für mich in Zukunft wichtig werden. Ich stellte mir dabei eine sehr statische Musik vor, die nur vom Changieren der Klangfarben lebt. Ich habe diese Vorstellung dann in manche Passagen einfließen lassen, aber nie ein Stück in dieser Ausschließlichkeit geschrieben. Darüber bin ich im Nachhinein froh.

Ich möchte daher keine Prognose stellen, sondern einen Wunsch formulieren: Ich wünsche mir weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit ausgezeichneten Interpreten, die mir einerseits ihre Instrumente näherbringen und andererseits den kritischen Blick auf das eigene Werk zu schärfen helfen.