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Thu.
17.
Oct.
2019

Konzert

CDRI (Central House of Artists)
, 0 Moskau
October, 17.10.2019, 20:00 Uhr

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Rückschau 2014–2017

Musikalische Weggefährten, Aufführungsorte und Ensembles, Musikpädagogisches


Gute Zusammenarbeit zwischen Komponistinnen und Komponisten und ihren Interpretinnen und Interpreten ist von grundlegender Wichtigkeit für das Gelingen einer (Ur)aufführung. In dieser Beziehung hatte ich von Anfang an Glück, ich traf meist auf interessierte, offene Musikerinnen und Musiker, die sich meiner Stücke mit Interesse und Wohlwollen annahmen. Ich konnte Vieles bei Proben, im Gespräch und durch gezielte Fragen lernen. Nur in wenigen Fällen waren Begegnungen mit Interpretinnen und Interpreten enttäuschend, wie fast immer waren mangelndes Vertrauen, fehlende Wertschätzung oder zu große „stilistische Divergenzen“ dafür verantwortlich.

Und dann gibt es Interpretinnen und Interpreten, die eine Art musikalische Weggefährten werden, da sie immer wieder die Werke einer Komponistin oder eines Komponisten auf ihre Programme setzen und/oder neue Stücke initiieren.

Ein solcher Weggefährte ist Klaus Christa für mich geworden. Er unterrichtet Bratsche und Streicherkammermusik am Vorarlberger Landeskonservatorium, ist ein gefragter Kammermusiker und leitet die Feldkircher Konzertreihe „Musik in der Pforte“. Ich kenne ihn schon aus Schultagen. Seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren haben wir immer wieder zusammengearbeitet. Ich schätze seine neugierige Art, auf Musik zuzugehen, sein einfühlsames Spiel, aber auch seine kritische Haltung, und weiß daher meine Stücke bei ihm in den besten Händen.

In den letzten drei Jahren kreuzten sich unsere Wege erfreulicherweise besonders häufig. Für ein Konzert im Frühjahr 2015 komponierte ich Die Brücke ist gebrochen.

Im Mittelpunkt dieses Ensemblestückes steht die Rezitation von kurzen Texten, die in einer Schreibwerkstatt im VinziRast-CortiHaus entstanden sind. Musikalisch grundiert und umrahmt werden diese Texte von einem Ensemble aus Trompete, Bratsche, Akkordeon und kleinem Schlagwerk, bei dem eine Röhrenglocke auf e’ eine zentrale Rolle spielt. Im Spätsommer desselben Jahres wurde das Werk noch einmal aufgeführt.

Im selben Jahr initiierte Klaus auch die Wiederaufführung des Streichquartetts „Sphärenklänge“ (1996) und des Bratschentrios „M. C. E.“ (2001). Die Stücke wurden von Studentinnen seiner Kammermusikklasse im Rahmen des Wettbewerbs „Prima La Musica“ aufgeführt. Es ist unglaublich wichtig für die Zukunft der Musik, die jungen Musikerinnen und Musiker mit der zeitgenössischen Musik vertraut zu machen. Ich freue mich sehr, dass Klaus unter anderen meine Stücke wählt. Der erste Preis, den das Ensemble für seine Leistung zuerkannt bekam, hat die jungen Musikerinnen hoffentlich in ihrem Bemühen bestärkt.

Ebenso im Jahr 2015 komponierte ich die Serenade für ein Konzert mit eben diesem Titel. Das Werk ist für Flöte, Bratsche und Gitarre gesetzt, ich danke der Interpretin und den Interpreten herzlich: Klaus selbst an der Bratsche, seine Frau Claudia spielte den Flötenpart und Alexander Swete die Gitarrenstimme.

2016 entstand auf seine Anregung das Streichsextett Idyll. Die Uraufführung beim „Stellenbosch International Chamber Music Festival“ bescherte mir meine Afrika-Premiere. Auch dieses Stück hat Klaus Christa in Vorarlberg und Liechtenstein wiederholt. Bei zwei dieser Aufführungen war ich dabei. Es war großartig, das Ensemble aus europäischen und afrikanischen Musikerinnen und Musikern miteinander musizieren zu sehen und hören. Auch für diese verbindende Initiative gebührt Klaus großer Dank.

Und für ein Konzert im Herbst des heurigen Jahres schreibe ich gerade ein Streichtrio mit Rezitation für ein Konzert bei „Musik in der Pforte“, bei dem Klaus wieder selbst mitspielen wird.

Ein zweiter Musiker, mit dem ich in den letzten Jahren erfolgreich zusammengearbeitet habe, ist der Pianist und Dirigent Sven Birch. Er unterrichtet Klavier und Kammermusik an der Linzer Bruckneruni. Wir begegneten einander 2010 bei einem „Fest der Neuen Musik“ an der Bruckneruni. Ich war zu einem Portraitkonzert eingeladen, und Sven hat dieses Konzert gemeinsam mit mir programmiert und auch einige Stücke als Dirigent und Pianist interpretiert. Er hat mich im Anschluss um ein Stück für sein „George Crumb Trio“ mit Flöte, Cello und Klavier gebeten, daraus ist das „Sonett 116“ (2013) entstanden. Und im Jahr 2015 bat er mich um ein Werk für Flöte und Klavier, ich komponierte Wolkenkuckucksheim, dieses Stück haben er und seine Duopartnerin Ria Georgiadou mittlerweile oft bei ihren Konzerten in Polen, Italien und Griechenland gespielt. Ich werde das Werk voraussichtlich erst im November in Wien bei einem Portaitabend mit dem George Crumb Trio und Ria Georgiadou erstmals hören.

Bei diesem Portaitabend im November wird Sven auch die Uraufführung einer Klaviersuite spielen. Die Bitte um ein längeres Klavierstück hatte Sven schon länger geäußert, doch manche Dinge dauern bei mir gewisse Zeit. Die etwa zwanzigminütige Suite in sechs Teilen ist dem Andenken meiner Mutter gewidmet, dieser Uraufführung blicke ich mit Spannung entgegen.

Auch die Zusammenarbeit mit Sven Birch wird sich hoffentlich fortsetzen, bei ihm spüre ich, ebenso wie bei Klaus Christa, die wunderbare Basis der Kooperation, die gegenseitige Wertschätzung. –

Aber nicht nur Musikerinnen und Musiker sind meine Weggefährten geworden, auch ein Aufführungsort hat sich für mich zum Kristallisationspunkt entwickelt. Die Alte Schmiede in Wien war vor etwa 25 Jahren der Ort, an dem ich erstmals einer an Neuer Musik interessierten Öffentlichkeit präsentiert habe und seither ist meine Musik immer wieder dort erklungen, auch in den vergangenen drei Jahren. 2015 gab es dort die Uraufführung von Atem der Statuen, gespielt hat das Ensemble Wiener Collage (EWC) unter der Leitung von Jaime Wolfson. Das EWC ist ein im Wiener Arnold-Schönberg-Center beheimatetes Spitzenensemble für Neue Musik und gestaltete mein Stück sehr eindringlich, aber auch sehr klar und elegant.

2016 gab es in der Alten Schmiede ein weitere Uraufführung, Swing Bridge für Violine und Viola. Geschrieben habe ich das Stück für ein Projekt von Bojidara Kouzmanova und Julia Purgina mit dem Titel „enSuite“. Die Bratschistin und Komponistin Julia Purgina bearbeitete einige Sätze aus den Violin-Solosonaten uns Solosuiten von Bach für Geige und Bratsche und vier zeitgenössische Komponisten umrahmten diese Bearbeitungen, neben Julia Purgina selbst, ihr Mann Roland Freisitzer, Jorge Sanchez-Chiong und ich. Mein Stück ist von der Vorstellung geleitet, dass man sich dem kompositorischen Großmeister Bach nur mit Vorsicht und Bedacht nähern soll, so wie man eine Hängebrücke mit größter Aufmerksamkeit überquert, daher der Titel und die über weite Strecken suchende und tastende Musik. Die Uraufführung in der Alten Schmiede war auch die CD-Präsentation dieses Projektes, ich bedanke mich herzlich bei den beiden Musikerinnen für die schöne Wiedergabe meines Stücks sowohl auf CD als auch bei den mittlerweile drei Wiener Präsentationen des „enSuite“-Projektes im Konzert.

Im heurigen Jahr 2017 ist für November der schon oben erwähnte Portraitabend in der Alten Schmiede geplant: so habe ich mit dieser Institution und dem Veranstaltungsort eine Art musikalische Heimat gefunden.

Zwei weitere Orte, an denen in den vergangenen drei Jahren meine Musik erklungen ist, möchte ich auch noch erwähnen: Das Gabillonhaus am steirischen Grundlsee war im Sommer 2015 bereits das zweite Mal (nach 2014) Uraufführungsort für eines meiner Stücke. Zwei Intermezzi für Flöte und Kontrabass entstanden als Zwischenmusik zu einer Lesung der Erzählung „Der Weg zum Ödensee“ von Franz Kain.

Der Linzer Autor lebte von 1922 bis 1997 und war als Kommunist Gegner des Nazi-Regimes. Er beschreibt in seiner Erzählung Flucht und Gefangennahme des hochrangigen Nazi Ernst Kaltenbrunner in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945.

An vier Stellen wurde die Lesung durch musikalische Betrachtungen unterbrochen: Renate Linortner und Anna Mittermeier musizierten die beiden oben erwähnten Intermezzi sowie mein Flötensolo „Nocturne“ (1982) und das Kontrabasssolo „con anima, senza rigore“ (2011). Letzteres hatte für Anna Mittermeier geschrieben, und sie hat es schon mehrmals aufgeführt. Mein Dank gilt beiden Musikerinnen für die schöne Umsetzung meiner Musik.

Das Gabillonhaus beherbergt jeden Sommer die schöne Veranstaltungsreihe Arche am Grundlsee. Und jedes Jahr ist die thematische Ausrichtung wohlüberlegt: Die Lesung der dunklen Erzählung „Der Weg zum Ödensee“ fand zur siebzigsten Wiederkehr des Endes des zweiten Weltkrieges und des Naziterrors statt. Und auch der Schauplatz des Geschehens, das tote Gebirge, ist ja in der unmittelbaren Umgebung des Grundlsees. Beides, der zeitliche und örtliche Bezug, trug dazu bei, diese Veranstaltung der Arche zu einem beklemmenden und intensiven Erlebnis werden zu lassen.

Im Jahr 2015 hat es mich besonders gefreut, wieder einmal – und damit komme ich zum nächsten Veranstaltungsort -  im Gläsernen Saal des Musikvereins auf dem Programm des Ensembles Kontrapunkte zu stehen. Sie führten in einem ihrer Abonnementkonzerte das Ensemblestück „Light Thickens“ (2004) unter der Leitung von Peter Keuschnig auf. Damit hat ein weiteres bedeutendes Wiener Ensemble – nach der Uraufführung durch die reihe unter der Leitung von Gottfried Rabl und zwei Aufführungen durch das ensemble 20. Jahrhundert unter der Leitung von Peter Burwik im Jahr 2008 – sich dieses Werkes angenommen.

Abschließend möchte ich das 2016 entstandene Trio für Flöte, Cello und Klavier mit dem Titel calmo, chiaro, leggiero erwähnen. Es ist im Auftrag meines Komponistenkollegen Hans Kitzbichler entstanden. Es sollte ein Stück für Schülerinnen und Schüler werden, daher ist es von leichterer Ausführbarkeit. Meine Interpreten, Schülerinnen und Schüler der Johann Sebastian Bach – Musikschule waren sehr jung (zwischen 9 und 12 Jahren) und haben mein Stück bravourös gemeistert. Ich danke den Kindern für die schöne Ausführung und Hans Kitzbichler für den Auftrag. Erwähnenswert ist das Stück auch deswegen, weil es in einem Konzert „Jugend gibt junge Musik“ im Rahmen des Festivals Wien modern uraufgeführt wurde und in Teilen auch in einer Zeitton – Sendung des ORF gesendet wurde. So erhielt diese schöne Initiative im Schnittbereich von Musikpädagogik und zeitgenössischer Musik den gebührenden Stellenwert. –

Als Musikerzieher habe ich zwei Mini-Musicals im popmusikalischen Stil verfasst: Die Brück’ am Tay nach der Ballade von Theodor Fontane für eine 4. Klasse und das Märchen Zwerg Nase für eine 1. Klasse. Die Einstudierung dieser Musicals macht den Schülerinnen und Schülern fast immer große Freude, sie sind mit Begeisterung dabei. Die Publikation dieser Musicals in den mip-Journalen des Verlags Helbling trägt zur weiteren Verbreitung dieser etwa 15-minütigen Musiktheaterstücke bei und bestärkt mich auch in meiner musikpädagogischen Arbeit. -

Ich möchte in den kommenden Jahren ein größeres Projekt beginnen, etwa ein Orchesterstück oder ein musiktheatralisches Projekt, eine Arbeit, die mich ein oder mehrere Jahre beschäftigen wird. Bei meinem nächsten Rückblick wird sich zeigen, wie weit meine diesbezüglichen Pläne gediehen sind.