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Fri.
02.
Aug.
2019

zeitklang im museum

Konzert des Wiener Concertvereins

 

 

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1, 6900 Bregenz
August, 02.08.2019, 19:30 Uhr

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Rückschau 2011–2014

Madrigale, Shakespeare, Morgenstern


Das Hauptwerk der vergangenen drei Jahre ist das Madrigalbuch (2011/12) für 7 Stimmen. Entstanden ist es im Auftrag der Paul Hofhaymer-Gesellschaft. Es ist das dritte Stück in Zusammenarbeit mit dieser sowohl für die Alte als auch für die Neue Musik bedeutenden Salzburger Institution.

Mit 45 Minuten Aufführungsdauer ist dieses Stück mein bisher längstes. Diese lange Dauer war auch bei der Komposition die größte Herausforderung. Den Spannungsverlauf richtig vorauszusehen, ist eine Sache, die – wenn die Erfahrung fehlt - einiges an Überlegung erfordert, daher habe ich mich ein ganzes Jahr mit diesem Musikstück beschäftigt.

Die richtige Dauer eines Musikstückes kann nie absolut bewertet werden, aber beim Madrigalbuch wäre im Fall einer Wiederaufführung eine um 10 – 15 Minuten kürzere Version durchaus vorstellbar. Vor allem die textlosen drei Interludien könnten gekürzt werden und zu einem Interludium zusammengefasst werden. Natürlich kann auch nur ein Teil des gesamten Werkes oder auch nur einzelne Stücke aufgeführt werden.

Teilaufführungen des Madrigalbuchs oder auch die Aufführung einzelner Madrigale sind auch aufgrund der Textauswahl gerechtfertigt. Es handelt sich um eine lose, inhaltlich nicht zusammenhängende Reihe von Gedichten von O. Paz, R. Ausländer, e. e. cummings und P. Verlaine. Diese lose Zusammenstellung steht durchaus in der Tradition der Madrigalbücher der Renaissancekomponisten.

Für die wunderbare Umsetzung meiner Partitur danke ich dem hervorragenden Paul Hofhaymer-Ensemble unter der Leitung von Kai Röhrig.

Sonett 116 (2013) und Luftgeister (2013) sind zwei Trios, die auf Anregung eines Interpreten oder einer Interpretin meiner Werke entstanden sind. Solche Aufträge freuen mich immer, denn sie deuten doch darauf hin, dass meine Musik bei manchen Ausführenden gut ankommt.

Im Fall des Sonetts 116 war es der Pianist Sven Birch, der an der Linzer Bruckner-Universität mein Komponistenportrait programmiert hatte. Für sein George Crumb Trio (Norbert Girlinger, Fl, Andreas Pözlberger,Vc, Sven Birch, Klv) beauftragte er mich mit einem neuen Stück.

Luftgeister wurde von der Harfenistin Julia Reth initiiert, die bei der Uraufführung von Eos mitgewirkt hatte. Sie regte ein Stück für ihr Trio Pan d-arpa (2 Flöten und Harfe) an. Die Uraufführung des Stückes wird vielleicht noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Das Sonett 60 (2013) wurde von der Sopranistin Akiko Forster angeregt. Das Duo für Singstimme und Violine wurde auch von ihr und der Geigerin Chizuko Shimotomai uraufgeführt. Und weil für eine Folgeaufführung mit Anna Maria Pammer und Weiping Lin noch ein Stück benötigt wurde, vertonte ich für dieselbe Besetzung In diesem Dorfe (2013), ein Gedicht aus dem Stundenbuch von R. M. Rilke.

In der Einführung zum Konzert schrieb ich dazu: „Die filigrane Stimme der Violine ist für mich ein idealer Partner für die Singstimme, zusammen bilden sie (über weite Strecken) einen heiter-gelösten, schwebenden zweistimmigen Satz.“

Für ein Konzert im Rahmen der jeden Sommer stattfindenden Arche am Grundlsee komponierte ich das Morgenstern - Liederheft (2014). Adelheid Picha, die diese kleine Veranstaltungsreihe programmiert, hat mir vier Morgenstern-Gedichte zur Vertonung vorgeschlagen. Da sie auch selbst als Rezitatorin tätig ist, konnte ich sie in die Komposition einbinden, so entstand die Besetzung Bassstimme, Klavier und Rezitation.

Die Gleichzeitigkeit von Gesang- und Sprechstimme bot mir die schöne Gelegenheit, mich wieder einmal mit der musikalischen Umsetzung von Texten zu beschäftigen: Die Reziation ist teilweise rhythmisch exakt festgelegt und teils ungebunden, die Bassstimme ist zum Teil konventionell gesetzt – vorwiegend syllabisch -, agiert aber auch klangmalerisch, indem sie Vokale und Konsonanten aus dem Text herauslöst.

Die Uraufführung im Gabillonhaus am Grundlsee hat gezeigt, dass die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten und die dadurch entstehenden unterschiedlichen Interaktionen zwischen Sprech- und Gesangstimme den Text in vielfältiger Weise beleuchten können. Ich hoffe auf die Gelegenheit, in einem weiteren Werk diese Möglichkeiten weiter erforschen zu können.

Vor etwa einem Jahr habe ich auch beschlossen, meine musikpädagogischen Stücke auf meiner homepage zu präsentieren. Davor habe ich mich bisher gescheut, weil die Musik für den schulischen Bereich stilistisch und auch von ihrer Absicht her stark von meinen sonstigen Stücken abweichen. Im Lauf der Zeit bin ich allerdings zu der Überzeugung gekommen, dass dieses musikpädagogische Wirken durchaus präsentabel ist, wenn auf den prinzipiellen Unterschied zu meinen anderen Werken deutlich hingewiesen wird – was ich hiermit mache.

Die heutige Musikpädagogik ist – zumindest in ihrem praktischen Tun – äußerst stark von Unterhaltungsmusik und Entertainment geprägt. Diesem Umstand tragen meine Stücke für die Schule Rechnung – und stehen damit in deutlichem Gegensatz zu meinen Intentionen als Komponist von jener zeitgenössischen Musik, die sich eher als herausforderndes Hörabenteuer versteht.

Mein Gesangssolo Marina (2009) musste ich leider zurückziehen, weil die Londoner T. S. Eliot Society keine Vertonung des zugrundeliegenden Gedichtes erlaubte. Eine Umarbeitung mit dem Titel A Tribute To William Shakespeare führte zu einem künstlerisch unbefriedigenden Ergebnis. Mein Plan ist es, für Anna Maria Pammer, die sowohl das Original als auch die Umarbeitung (mehrmals) aufgeführt hat, ein neues Werk zu schreiben, in der Hoffnung, dass dieses dann eine (urheberrechtlich abgesichterte) Bereicherung ihres Repertoires darstellen wird.

Als positiver Nebeneffekt dieser Umarbeitung ist hervorzuheben, dass ich mich wieder mit den Shakespeare-Sonetten auseinandergesetzt habe – mit den oben dargestellten kompositorischen Ergebnissen.

Ebenso musste ich den Titel meines Klavierstückes Die Wolfshaut (2003) in Nachklänge umändern. Der Verlag Doblinger hat dieses Stück publiziert, die Tochter des Schriftstellers Hans Lebert, dessen Romantitel ich für mein Klavierstück übernommen hatte, war damit nicht einverstanden, so musste der Titel für die Publikation dem wesentlich schwächeren Ersatztitel weichen.

Ich habe das sehr schade gefunden, war doch eben dieser Titel als Reverenz vor dem großartigen Roman Leberts gedacht, leider ist diese ehrenvolle Absicht von seinen Erben nicht anerkannt worden.