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Fri.
02.
Aug.
2019

zeitklang im museum

Konzert des Wiener Concertvereins

 

 

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1, 6900 Bregenz
August, 02.08.2019, 19:30 Uhr

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Rückschau 2008–2011


In den letzten drei Jahren sind sechs Werke für verschiedene (große und kleine) Besetzungen entstanden. Im folgenden möchte ich die Stücke - mit Kommentaren zu ihrer Entstehung, zur Zusammenarbeit mit den Musikern und Musikerinnen und zur Aufnahme durch das Publikum versehen – vorstellen.

Scherzo (- sur le nom de Haydn - ) (2009) ist ein Klavierstück, das im Rahmen eines Projekts zum Haydn-Jahr 2009 entstanden ist. Im Jahr 1909 – zur hundertsten Wiederkehr von Haydns Todesjahr - komponierten sechs französische Komponisten, unter ihnen Debussy, Dukas und Ravel, zu Ehren des Meisters der Wiener Klassik ein Stück über das Monogram Haydns HADDG. Die Komponistin Dana Probst beauftragte 6 Komponisten, diese Situation 100 Jahre später nachzustellen. Mein herzlicher Dank ergeht an Dana Probst für den Auftrag und an Karl Barth für die engagierte Interpretation.

Ein anderes Jubiläum, der 40. Geburtstag des RSO, bescherte mir einen besonderen Auftrag. Ich wurde vom RSO eingeladen, eine Geburtstags-Miniatur zu komponieren.

Es war für mich herrlich, bei Many Happy Returns! (2009) wieder einmal – wenn auch nur für die Dauer von 40 Sekunden – aus dem Vollen schöpfen zu können. Die Gelegenheiten, für großes Orchester schreiben zu können, sind ja für mich eher rar, umso mehr Freude macht ein solcher Auftrag.

Marina (2010) für Stimme solo entstand im Auftrag der Sopranistin Anna Maria Pammer. Bei einem zufälligen Treffen vor etwa drei Jahren erzählte sie mir, dass sie dabei ist, ein Repertoire mit Stücken für unbegleitete Solostimme aufzubauen und sie lud mich ein, ein Stück für sie zu machen. Wie immer benötigte ich lange für das Finden eines geeigneten Textes. Nach längerer Suche erinnerte ich mich an das Gedicht mit dem Titel Marina von T. S. Eliot, das ich in meinen Studienjahren kennengelernt hatte und dessen Rhythmus und Bildhaftigkeit sehr beeindruckt hatte. Ich las das Gedicht mehrmals wieder und war dann überzeugt, einen Text gefunden zu haben, zu dem meine musikalische Sprache und meine Ideen zur Vokalkomposition hervorragend passen. Die lange Zeit der Suche hatte sich gelohnt: Die Komposition selbst ist dann in relativ kurzer Zeit entstanden.

Das Werk hat bisher drei Aufführungen erlebt: Die Uraufführung war bei den Eferdinger Schlosskonzerten. Ich wusste allerdings nichts davon, weil Anna Maria (wegen eines defekten e-mail – Programms) mich nicht darüber informieren konnte. Eine zweite Aufführung des Werkes stand bei den IGNM - Weltmusiktagen im April 2011, die im Rahmen der Biennale Zagreb stattfanden, auf dem Programm. Für das Programm der World New Music Days waren Stücke für Solostimme gesucht worden und meine Eireichung – das soeben fertiggestellte Marina) wurde von der Zagreber Jury ausgewählt. Aus Zeitgründen konnte ich dieser Aufführung ebenso wenig beiwohnen wie der Aufführung in Berlin, die wiederum Anna Maria Pammer gestaltete. Die nächste Aufführung wird im November dieses Jahres beim Festival Vokalisen in Linz über die Bühne gehen und ich freue mich darauf, dort selbst zum erstenmal die klingende Gestalt dieses Stückes zu erleben.

Für das ensemble reconsil komponierte ich im selben Jahr ein Stück für Posaune solo und Ensemble: Umarmungen der Zweige. Ausgangspunkt ist ein Zitat aus dem Roman Die letzte Welt von Christoph Ransmayr. An einer Stelle des Romans beschreibt er eine von den Menschen lange vorher verlassene Siedlung, die nun von der Fauna überwuchert wird. Dementsprechend thematisiert das Stück musikalische Ausformungen des Wachsens, des sich Verästelns, des Überdeckens, ... Dabei ist die Soloposaune eher ein primus inter pares als ein virtuoser Vordergrund: Es initiiert diese Prozesse, greift in sie ein oder führt sie fort. Diese Funktion gibt der Posaune im diesem Stück seine besondere Bedeutung.

Der Auftrag des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV) für ein Orchesterstück war Anlass für die Entstehung von Broken Lines (2010). Die Realisierung des Stückes war gekennzeichnet durch einen sehr gut vorbereiteten Dirigenten (Chefdirigent Gérard Korsten), der mit Engagement, Klangsinn und bewundernswerter Temposicherheit sein Orchester durch das Stück führte. Auch viele Musikerinnen und Musiker im Orchester waren meiner Musik gegenüber positiv eingestellt und setzten ihre instrumentale und musikalische Kompetenz ganz in den Dienst einer engagierten Interpretation. So ergab der Mitschnitt der Generalprobe für die Bregenzer Aufführung (die letzte in einer Serie von drei Aufführungen) ein sehr schönes Klangbild der Partitur.

Leider war der Mitschnitt der abendlichen Aufführung unbrauchbar, denn einige Leute im Publikum störten die Musik durch Lachen, Zischen und lautes Reden. Ich habe das nicht für möglich gehalten, aber offensichtlich hatte ein Teil des Publikums solche Musik noch nie gehört.

Ich war natürlich sehr irritiert und kann bis heute jenen Teil des Publikums, der so reagierte, nicht verstehen. Es ist für mich schlichtweg kein reifes Verhalten, wenn man etwas (zer)stört, nur weil es einem nicht passt, weil es nicht verstanden wird oder weil es nicht ankommt. Es wäre für diese Leute dringend zu empfehlen, diesen offensichtlichen Informationsrückstand über die Konzertmusik des vergangenen halben Jahrhunderts zu überbrücken oder, wenn das nicht möglich ist, die Unverfrorenheit des Störens abzustellen.

Sollten sie sich für das Erstere entscheiden, wären der musikalische Gewinn und die damit einhergehende Horizonterweiterung beträchtlich. Aber ich befürchte, die Biedermeierlichkeit, die Angst für dem Neuen und die Angewohnheit, Unwissen und Unvermögen in kindische Störaktionen umzuwandeln, werden bei zu vielen Oberhand behalten.

Zu Jahresende 2010 komponierte ich im Auftrag des Vereins cercle – Aufführungen Neuer Musik das kurze Trio Eos für den Bassisten Lukas Haselböck sowie Bassklarinette (Theresia Schmidinger) und Harfe (Julia Reth). Der Text stammt aus dem Beginn des 5. Gesanges der Odysee von Homer. Es ist eine poetische Beschreibung des anbrechenden Morgens und damit eine Art Gegenstück zu Light Thickens (2004), welches die hereinbrechende Nacht musikalisierte.

Mein jüngstes Werk ist das Klarinettensolostück Kassiber (2011). Der Klarinettist Stefan Neubauer war 2008 beteiligt an einer Aufführung der Ensembleversion von Light Thickens durch das ensemble 2o. jahrhundert exxj. Er kam damals auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht etwas für ihn schreiben möchte. Das habe ich natürlich gerne gemacht (für solche Solisten schreibt wohl jeder Komponist gerne!), es hat allerdings drei Jahre gedauert, bis ich mir klar darüber war, wie das Stück in seiner Notengestalt aussehen sollte.

Solostücke für Melodieinstrumente sind ja eine Spezialität der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und viele dieser Stücke haben den großen Vorzug, viele neu erkundete Spieltechniken und damit neuartigen Klangestalten exemplarisch zu präsentieren. Dieser Vorzug hat aber auch zwei Nachteile: Erstens ist das Repertoire an solchen Spieltechniken und Klanggestalten begrenzt und zweitens werden fast alle Stücke zu einer Art Katalog der Möglichkeiten. Deshalb trachte ich in meinen Solostücken danach eine grundlegende musikalische Idee (eine „aussage“, eine Stimmung) zu finden, die durch das Stück leitet und es vor Beliebigkeit schützt. War es beim Bratschensolostück Light Thickens (2004) die hereinbrechende Nacht als grundlegende Vorstellung, so liegt Kassiber - der Bedeutung des Wortes gemäß - die Idee eines geheimzuhaltenden, verschlüsselten und eilig geschriebenen Briefes zugrunde.

Ich habe das fast fertiggestellte Stück dem Interpreten vorgelegt, mir einiges auf seinem Instrument zeigen lassen und ich habe auf seine Anregung hin ein paar Stellen verändert.

Ich schätze die Arbeit mit Interpreten sehr: der Komponist lernt ein Instrument wieder intensiver kennen und der Interpret kann sich beratend einbringen und auch anregen, manches so zu korrigieren, dass es problemloser spielbar wird. Denn gerade für dieses Stück stelle ich ich mir eine leichtfüßige Interpretation vor, die nicht durch einen der grundlegenden Natur des Instruments zuwiderlaufenen Notentext erschwert werden sollte. Jedenfalls freue ich mich auf die Uraufführung. Hoffentlich erfahre ich davon...